Dekorationsbild: Kursleiterin mit Teilnehmern, Gebäude einer Volkshochschule

Bildung für alle

Hier können Sie die Publikation "Bildung für alle" von Axel Ullrich herunterladen. Sie entstand aus dem Semestereröffnungsvortrag zum 90. Jubiläum der vhs Wiesbaden am 02.02.2011.

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Die Volkshochschule Wiesbaden

Die Volkshochschule Wiesbaden e.V. wurde am 9.1.1921 im Wiesbadener Rathaus in Vereinsform gegründet. An ihrer Gründung waren sowohl bürgerliche Kreise, vor allem der Philologenverband, als auch Gruppierungen der Arbeiterbewegung beteiligt. Erste Sponsoren waren die Sektkellerei Henkell und die Wiesbadener Maschinenfabrik. Wichtigster Repräsentant war Johannes Maaß, Volksschullehrer und ehrenamtlicher Stadtrat für Schule und Kultur.

Das Bildungsprogramm, veröffentlicht als „Blätter der Wiesbadener Volkshochschule“, wandte sich an die „geistig Suchenden in allen Volksschichten“. Dass diese auch erreicht wurden, zeigt eine frühe Statistik aus dem Jahr 1921. Als Ziel wurde die „allgemeine öffentliche Geistespflege für Erwachsene“ formuliert. Die Arbeitsgemeinschaften der Volkshochschule wurden verstanden „als Grundeinheiten des demokratischen Volksstaats.“
Im Lauf der Weimarer Zeit wurden die Lehrgänge für Arbeitslose immer wichtiger, während gleichzeitig der öffentliche Zuschuss immer geringer und schließlich 1931 ganz gestrichen wurde. Die Lehrkräfte arbeiteten in dieser Zeit ohne Honorar, um den Arbeitslosen die Teilnahme an den Lehrgängen zu ermöglichen.
Im Jahr 1933 wurde die Volkshochschule von den Nazis verboten und geschlossen, und Johannes Maaß, Geschäftsführer und Vorsitzender in einer Person, seiner Ämter enthoben, aus dem öffentlichen Schuldienst entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt. Nach dem 20. Juli 1944 wurde Maaß verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er Verhöre und Folterungen über sich ergehen lassen musste.
Im Jahr 1945 wurde Maaß hauptamtlicher Stadtrat für Volksbildung und Kultur und eröffnete am 2.6.1946 zusammen mit Dr. Franz Götting, Direktor der Nassauischen Landesbibliothek, der auch von 1956 bis 1968 vhs-Vorsitzender war, die Volkshochschule Wiesbaden wieder.
Maaß sorgte dafür, dass die Volkshochschule ab 1953 endlich eine hauptberufliche Leitung bekam; Dr. Eberhard Stephan übte diese Funktion bis 1980 aus.
1956 überlässt Bürgermeister Georg Buch das Gebäude Dotzheimerstr. 3 der vhs als „vorläufige Bleibe“.
Die 50er und 60er Jahre waren geprägt durch Existenzkrisen, die durch die ungesicherte kommunale Bezuschussung verursacht wurden. Dies änderte sich erst nach 1970 durch die Verabschiedung des Hessischen Volkshochschulgesetzes, das die Landesfinanzierung deutlich erhöhte und Volkshochschule zur kommunalen Pflichtaufgabe machte – was auf Dauer leider nicht verhinderte, dass Stadt und Land in den letzten Jahren die Zuschüsse wieder erheblich gekürzt haben.
1971 wird das bundesweit vorbildliche Hessische Volkshochschulgesetz verabschiedet. Es macht die vhs zur kommunalen Pflichtaufgabe und sorgt für erheblich bessere Bezuschussung durch das Land. Der erhöhte Landeszuschuss ermöglichte in den 70er-Jahren die Einstellung weiterer hauptberuflicher Mitarbeiter/innen und die Gliederung der Organisation und des Bildungsangebots in Fachbereiche. Fachbereichsleiter wurden damals Klaus Sommerfeld, Armelle Damblemont, Harald Schott und Hans-Jürgen Bauer.
1973 vermacht das Ehepaar Schnitzler die Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, testamentarisch der Stadt mit der Nutzungsfestlegung „Volkshochschule“. Seither ist hier das Kulturzentrum der vhs Wiesbaden.
Seit 1989 leitet Hartmut Boger die vhs Wiesbaden, der auch für das Bildungsangebot des Fachbereichs „Gesellschaft“ verantwortlich ist. Leiter/innen der Fachbereiche sind gegenwärtig: Annette Groth (Beruf und Karriere, stv. Direktorin), Renate Menning (Gesundheit und Natur), Anja C. Weber (Sprachen), Elfriede Weber (Kultur und Kreativität). Heinz Porten ist Geschäftsführer der 1992 gegründeten Akademie für Ältere, einem stadtweiten Kooperationsverbund von über 30 Einrichtungen der Altenbildung unter dem Dach der vhs.

Gabriele Nisius ist die Geschäftsführerin von „Tandem Deutsch-International“, des Interkulturellen Verständigungs- und Integrationsprojekts, das 1989 aus einem vhs-Seminar hervorging und lange von Barbara von Breitenbach geleitet wurde.
1999 wurde unter aktiver Mitwirkung der vhs das Freiwilligenzentrum Wiesbaden gegründet, das, ebenso wie seine Vorgängerorganisation „Aktiv nach Beruf und Familie“ in der vhs beheimatet ist.
Am 18.9.1998 eröffnete Oberbürgermeister Achim Exner an seinem letzten Arbeitstag feierlich die beiden von der SEG sanierten Kasernengebäude im Europaviertel (vormals Camp Lindsey oder einfach „Ami-Kasernen“).
Von 1968 bis 1992 war Professor Dr. Günther Böhme, seit 1954 Philosophiedozent an der vhs Wiesbaden, Vorsitzender. Ihm folgte Margarethe Goldmann, von 1986 bis 1992 Schul- und Kulturdezernentin der Landeshauptstadt, die das Amt bis Oktober 2009 innehatte.
Aufgrund einer Satzungsänderung, die durch die Novellierung des Hessischen Weiterbildungsgesetzes (HWBG) nötig geworden war, wurde Rita Thies, Stadträtin für Kultur, Hochbau und Umwelt kraft Amtes Vorsitzende. Seit September 2011 ist Rose-Lore Scholz, Stadträtin für Schule, Kultur und Integration, Vorsitzende.
2010 nimmt HessenCampus Wiesbaden als Kooperationsverbund von vhs, Beruflichen Schulen und Schulen für Erwachsene die Arbeit auf. Die Geschäftsführung liegt bei der vhs, Geschäftsführerin ist Nicole Möhlenkamp.
2011 wurde die Villa Schnitzler barrierefrei und die vhs feierte ihren 90. Geburtstag!
Über 500 Lehrkräfte, allesamt Fachleute auf ihrem Gebiet, die regelmäßig an Weiterbildungen teilnehmen, gestalten den Unterricht. Das Finanzvolumen beträgt rd. 6,3 Mio €, 72 % werden eigenfinanziert. Leider verabschiedet sich das Land Hessen seit Mitte der 90er-Jahre aus der vhs-Finanzierung: 1990 betrug der Landesanteil 20%, 2014 sind es unter 4 %! Die Landeshauptstadt Wiesbaden ist mit rd. 24 % dabei.

Die vhs Wiesbaden hat schwierige Zeiten durchgestanden, ständig ihr Bildungsangebot an die Herausforderungen der Zeit angepasst und damit das Interesse der Wiesbadener Bevölkerung gefunden. Mit dem Engagement und der Qualifikationen der Mitarbeiter/innen, des Vorstands, der Mitglieder, Kooperationspartner und Lehrkräfte – und nicht zuletzt ihrer bildungsinteressierten Kundschaft - wird sie die Herausforderungen der Zukunft weiterhin erfolgreich gestalten.
Über 90 Jahre nach ihrer Gründung ist die vhs Wiesbaden im Jahr 2014 mit über 38.000 Teilnehmer/innen an Bildungsveranstaltungen pro Jahr und über 50 Kooperationspartnern eine unverzichtbare Bildungs- und Kultureinrichtung in unserer Stadt!


Hartmut Boger

November 2015

 

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